Afrika

UNTERWEGS

Als Reporter und Wissenschaftler bin ich in 25 afrikanischen Ländern unterwegs gewesen. Für hintergründige Reportagen recherchierte ich teils monatelang in Nigeria und Äthiopien, paddelte im Einbaum auf dem Niger, saß im Südsudan im Luftschutzbunker, tafelte mit algerischen Millionären, nahm die Flussfähre nach Kisangani, schlief im Ahaggar-Gebirge unter dem unendlichen Sternenhimmel der Sahara, fuhr weit in den Ogaden hinein und verbrachte Nächte in den Kneipen von Lagos und Nairobi. Unvergessen, die Diskussionen mit Missionaren in Tansania oder die erstaunlichen Recherchen in Pretoria zu den Propagandastrategien des Apartheid-Regimes. Der Krieg im Ostkongo ließ mich vor Angst zittern, der in Somalia vor Wut.

Egal, wie gut die Vorbereitungen oder wie schwierig die Umstände und Gegenden manchmal seien mögen, oft werden Recherchen auf wundersame Weise von Leuten unterstützt und ermöglicht, denen man ganz zufällig begegnet: Mohamed, Carol, Ozase, Ibrahim, Achim, John, Adam, Klaus, Umar, Ahmed, Fares, Winnie, Chris, Karim… Ganz herzlichen Dank!

Die Beute-Bronzen

Der König von Benin, Benin City, Nigeria (c) Lutz Mükke

Koloniale Ignoranz & museale Amnesie

Ohne Zweifel gehören die Kolonialzeit und ihre transgenerationalen Auswirkungen zu denen am stärksten ignorierten Feldern der heutigen Afrika-Berichterstattung. Hier ein Interview dazu. Und wenn Sie auf das Bild links klicken, erfahren Sie noch mehr. Dieses internationale Langzeit-Rechercheprojekt von nigerianischen und deutschen Journalisten, die in Europa, Afrika und den USA zum Thema koloniale Beutekunst recherchierten, initiierte und leitete ich 2017/18. Im Mittelpunkt standen die Benin-Bronzen, die 1897 bei der Invasion des Königreichs Benin von den Briten geplündert und zur Refinanzierung des Krieges in alle Herren Länder verkauft wurden.

Kooperationspartner waren Code for Africa, die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und die Leipziger Volkszeitung (LVZ). Umfangreich berichteten darüber auch der Guardian Nigeria und der Observer. Unsere Publikationen beeinflussten die derzeit geführte Restitutionsdebatte. Aus der internationalen Recherche zu den Benin-Bronzen entstand auch ein fesselnder Vortrag (siehe Angebote). Finanziert wurden die Recherchen vom Journalistenverein „Fleiß und Mut“ und der Stiftung Mercator.

A New Deal

Fotoausstellung zu geraubten Bronzen in Benin City

„A NEW DEAL“ heißt die symbolkräftige Foto-Ausstellung, die im Dezember 2018 42 großformatige Fotografien von Lutz Mükke im Königspalast in Benin City in Nigeria zeigt.

Der 1897 von britischen Kolonialtruppen geplünderte Benin-Schatz ist heute in dutzenden westlichen Museen zu sehen, u.a. im Metropolitan Museum of Art in New York, im British Museum in London oder in Museen in Cambridge, Stockholm, Leipzig, Paris, Dresden, Stuttgart, Berlin, Oxford, Leiden, Wien, Seattle und München.

Seit einem Jahrhundert fordert das Königreich Benin sein Kulturerbe zurück. Kein Nigerianer bekommt heute ein Visa, um sich in den großen Museen der Welt dieses nigerianische Kulturerbe ansehen zu können. – Das Interesse an der Foto-Ausstellung war entsprechend intensiv.

Rede Lutz Mükke Benin City

Der ewige Stringer - Ahmed Jimale

Ahmed Jemali, Meister-Stringer aus Mogadishu, © Lutz Mükke
Ahmed Jemali, Meister-Stringer aus Mogadishu, © Lutz Mükke

Ahmed Jimale begegnete ich mitten im Bürgerkrieg in Somalia. Er war einer der ganz wenigen Journalisten, der Zugang zu allen Teilen der umkämpften Hauptstadt Mogadischu ermöglichen konnte, die damals in verfeindete Clan-Sektoren geteilt war. Alle Warlords, Todfeinde untereinander, kannten Ahmed Jimale persönlich, den jungen, ruhigen, cleveren Auskenner, der für das deutsche Fernsehen arbeitete. Er war es, der filmte, wie ein geschändeter, toter amerikanischer Soldat von einem hasserfüllten Mob durch die Straßen geschleift wurde – eine Videosequenz, die hunderte Fernsehstationen weltweit sendeten und die den Kriegsverlauf beeinflusste. Eigentlich hätte auch Ahmed Jimale dafür den Pulitzerpreis verdient. Den bekam allerdings der kanadische Fotograf Paul Watson exklusiv. Heute lebt Ahmed Jimale als „Flüchtling“ in Schweden. Der Krieg in Somalia, sein Job als Journalist und die Unbedarftheit seiner Auftraggeber erzwangen seine Flucht. Die deutsche Öffentlichkeit verdankt ihm viele Jahre exzellente Somalia-Berichterstattung. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

"Journalisten der Finsternis"

An den Grenzen medialer Leistungsfähigkeit – Afrika

Stimmen zum Buch

 

Publizistik
“Es ist Lutz Mükke zu verdanken, dass er mit seiner hervorragenden Studie ein umfangreiches und theoretisch fundiertes Werk über Akteure und Strukturen der Berichterstattung über Afrika vorlegt. (…) jenseits des ritualisierten Lamentos über die mangelnde Repräsentation Afrikas (…) ebenso klug wie originell analysiert.”

Süddeutsche Zeitung
“Das Kapitel ‚Grauzonen, Defizitbereiche und Fehlentwicklungen‘ sollten ARD und ZDF so ernst nehmen, dass sie den Text an alle Korrespondenten versenden.”

Deutschlandradio  
“Damit hat er eine wichtige Diskussionsgrundlage geliefert.”

Afrikapost
“Äußerst empfehlenswert für alle, die sich für die Abläufe hinter den Journalismus-Kulissen interessieren!”

Funkkorrespondenz 
“Es ist sehr viel Erhellendes in dem Buch zu finden”


Klicken Sie aufs Buchcover, um mehr zu erfahren.

Der inszenierte Hunger – Karriere einer Kritik an der
Entwicklungshilfeindustrie

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Unter dem Titel „Der inszenierte Hunger“ erschien am 16. April 2003 in DIE ZEIT ein mehrseitiges Dossier über Hunger in Äthiopien. Die Unterzeile der mehrseitigen Reportage lautete „In Äthiopien gibt es Wasser genug – doch die Entwicklungshelfer der UN reden der Welt eine Dürrekatastrophe ein.“ Der von mir aufwendig in Ostafrika, den USA und Europa recherchierte Beitrag enthüllte die Ausmaße der Symbiose von Hilfsindustrie und politischer Elite in Äthiopien und legte haarsträubende strukturelle Korruption offen.

Die Veröffentlichung sorgte für heftige Reaktionen: Das UN-Welternährungsprogramm, die Welternähnungsorganisation, äthiopische Diplomaten und Regierung sowie diverse Entwicklungshilfeorganisationen und -helfer reagierten teils mit beleidigenden Statements. Allerdings hielt die Recherche allen Anfeindungen und Prüfungen stand, bekam sogar den Natalie-Lorenzo-Preis für Menschenrechte der EU-Kommission und landete schließlich als Lehrstück im „The Global Investigative Journalism Casebook“ der UNESCO.

Finanziell unterstützt wurde die Recherche durch das erste Stipendium, das die investigative Journalistenorganisation Netzwerk Recherche nach ihrer Gründung vergab.

Lagos, Hamburg, Berlin, Cotonou

Auf Foren, Konferenzen und in Workshops im In- und Ausland bringe ich mein Afrika-Know-how in Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Workshops oder Keynotes ein – etwa über internationales Projektmanagement, Kooperationen zwischen europäischen und afrikanischen Journalisten, zum Medienbild Afrikas, zu Verwerfungen in der Auslandsberichterstattung oder zur Stereotypenforschung.

Analysen über den Kontinent, zu einzelnen Ländern, Regionen und Themenfeldern kommen ebenso hinzu wie zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze und journalistische Beiträge zu Subsahara Afrika.

 

Expert Panel in Cotonou/Benin: Colonial times and Independence, Institute for Foreign Relations (c) IfA
Independence and Colonialism, Expert Panel in Cotonou/Benin, Institute for Foreign Relations (c) IfA

Hintergrund

Afrika ist eine einzige Offenbarung. Hier an der angeblichen „Peripherie“ des Weltgeschehens, wird der Blick auf eben dieses klarer. Initialzündung für mein Interesse am „Schwarzen Kontinent“: Gleich nach dem Ende des Kalten Krieges trampte ich – sehr jung und guten Mutes – von Berlin nach Dar Es Salaam. Damals hieß die DR Kongo noch Zaire, in der Zentralafrikanischen Republik stand noch eine deutsche Botschaft und in Kenia war es riskant, politische Witze zu machen. – Eine turbulente und atemberaubende Reise, nach der mein Studienwunsch klar war. Es folgte das Studium der Journalistik, Massenkommunikation und Afrikanistik in Leipzig und Kampala/Uganda, Schwerpunkte Ökonomie, Politik und Kulturen Afrikas.

Tänzerinnen beim Igue-Fest, Nigeria (c) Lutz Mükke
Tänzerinnen beim Igue-Festival (c) Lutz Mükke