UNTERWEGS

Als Reporter, Wissenschaftler und EdTEch-Bildungsmanager habe ich bislang in mehr als 30 afrikanischen Ländern gearbeitet. Als Manager in der EdTech-Branche gehören Treffen mit Universitätsleitungen, Ministern, Staatsekräteren, Unternehmern und Botschaftern heute zu meinem Tagesgeschäft. Zuvor recherchierte ich über viele Jahre für hintergründige Reportagen teils monatelang in Nigeria und Äthiopien, paddelte im Einbaum auf dem Niger, saß im Südsudan im Luftschutzbunker, tafelte mit algerischen Millionären, nahm die Flussfähre nach Kisangani, schlief im Ahaggar-Gebirge unter dem unendlichen Sternenhimmel der Sahara, fuhr weit in den Ogaden hinein und verbrachte Nächte in den Kneipen von Lagos und Nairobi. Unvergessen, die Diskussionen mit Missionaren in Tansania oder die erstaunlichen Recherchen in Pretoria zu den Propagandastrategien des Apartheid-Regimes. Der Krieg im Ostkongo ließ mich vor Angst zittern, der in Somalia vor Wut.

Egal, wie gut die Vorbereitungen oder wie schwierig Umstände manchmal seien mögen, oft werden Arbeiten in Afrika auf wundersame Weise von Leuten unterstützt und ermöglicht, denen man mehr oder weniger zufällig begegnet: Mohamed, Carol, Ozase, Ibrahim, Achim, John, Adam, Klaus, Umar, Ahmed, Fares, Winnie, Chris, Karim, Jonathan, Paddy, Bekele, Samuel… Ganz herzlichen Dank!

Wenn Recherche und Forschung etwas bewegen

Im März 2026 erhielt ich vom nigerianischen Außenminister Yusuf Maitama Tuggar einen offiziellen Letter of Appreciation für meine langjährige Arbeit zur Verständigung zwischen Afrika und Europa, zu kolonialem Kulturgutraub und Restitution. Die nigerianische Regierung würdigt darin meine „significant contribution to the international discourse on looted cultural property“ und insbesondere meine Arbeit in internationalen Medien, „amplifying Nigerian and African perspectives“.

Besonders freut mich, dass Nigeria diese Arbeit nicht nur als Forschung und Publizistik wahrnimmt, sondern ihr konkrete Wirkung zuschreibt: Sie sei Teil eines „intellectual, journalistic, and public foundation“ gewesen, die die historische Vereinbarung zwischen Nigeria und Deutschland über die Rückgabe Hunderter geraubter Kulturgüter mit ermöglicht habe.

Gern geschehen!

Afrika & China – und Europas Apathie

 

Rohstoffe und große In­frastrukturprojekte wie Häfen, Straßen, Stromtrassen, Eisenbahnstrecken oder Flughäfen. Chinas Aktivitäten in Afrika sind viel umfassender und tiefgreifender als das: Das Reich der Mitte hat sich auf den Weg gemacht, dem Westen und den ehemaligen Kolonialmächten in Afrika den Rang abzulaufen – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch, kulturell und in Anfängen auch militärisch. Das Alte fällt.

Was afrikanische Regierungen politisch treiben, ist China nicht egal. Entgegen weit verbreiteter Kolportage engagiert sich China seit mehr als 60 Jahren intensiv in Afrika und wirkt freilich auch auf die inneren Ange­legenheiten afrikanischer Staaten ein. Die Stärke und wirtschaftliche Agilität Chinas in Afrika ist dem Westen seit langem ein Dorn im Auge. Wirtschaftlich sind Westeuropa und die USA oft schlicht nicht konkurrenzfähig. Eine Analyse für Publik Forum.

 

 

 

 

 

 

A New Deal

Fotoausstellung zu geraubten Kulturgütern in Benin City

„A NEW DEAL“ heißt die symbolkräftige Foto-Ausstellung, die im Dezember 2018 42 großformatige Fotografien von Lutz Mükke im Königspalast in Benin City in Nigeria zeigte.

Der 1897 von britischen Kolonialtruppen geplünderte Benin-Schatz ist heute in dutzenden westlichen Museen zu sehen, u.a. im Metropolitan Museum of Art in New York, im British Museum in London oder in Museen in Cambridge, Stockholm, Leipzig, Paris, Stuttgart, Berlin, Oxford, Wien, Seattle, München…

Seit einem Jahrhundert fordert das Königreich Benin diesen Kulturschatz zurück. Das Interesse an der Foto-Ausstellung war sicher auch deswegen intensiv,  weil keine Nigerianerin und kein Nigerianer heute ein Visa bekommt, um in den großen Museen der Welt ihr Kulturerbe bewundern zu können.

„A New Deal“ – Die Eröffnungsrede von Benin City

 

Der ewige Stringer - Ahmed Jimale

Ahmed Jemali, Meister-Stringer aus Mogadishu, © Lutz Mükke
Ahmed Jemali, Meister-Stringer aus Mogadishu, © Lutz Mükke

Ahmed Jimale begegnete ich mitten im Bürgerkrieg in Somalia. Er war einer der ganz wenigen Journalisten, der Zugang zu allen Teilen der umkämpften Hauptstadt Mogadischu ermöglichen konnte, die damals in verfeindete Clan-Sektoren geteilt war. Alle Warlords, Todfeinde untereinander, kannten Ahmed Jimale persönlich, den jungen, ruhigen, cleveren Auskenner, der für das deutsche Fernsehen arbeitete. Er war es, der filmte, wie ein geschändeter, toter amerikanischer Soldat von einem hasserfüllten Mob durch die Straßen geschleift wurde – eine Videosequenz, die hunderte Fernsehstationen weltweit sendeten und die den Kriegsverlauf beeinflusste. Eigentlich hätte auch Ahmed Jimale dafür den Pulitzerpreis verdient. Den bekam allerdings der kanadische Fotograf Paul Watson exklusiv. Heute lebt Ahmed Jimale als „Flüchtling“ in Schweden. Der Krieg in Somalia, sein Job als Journalist und die Unbedarftheit seiner Auftraggeber erzwangen seine Flucht. Die deutsche Öffentlichkeit verdankt ihm viele Jahre exzellente Somalia-Berichterstattung. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren.

Die Beute-Bronzen

Der König von Benin, Benin City, Nigeria (c) Lutz Mükke

Koloniale Ignoranz & museale Amnesie

Ohne Zweifel gehören die Kolonialzeit und ihre transgenerationalen Auswirkungen zu denen am stärksten ignorierten Feldern der heutigen Afrika-Berichterstattung . Hier ein Interview dazu. Und wenn Sie auf das Bild links klicken, erfahren Sie noch mehr. Im internationalen Langzeit-Rechercheprojekt „Die Beute-Bronzen“ recherchierten 2017/18 nigerianische und deutsche Journalisten in Europa, Afrika und den USA zum Thema koloniale Raubkunst. Im Mittelpunkt standen die Benin-Bronzen, die 1897 bei der Invasion des Königreichs Benin von den Briten geplündert und zur Refinanzierung des Krieges in alle Herren Länder verkauft wurden.

Kooperationspartner: Code for Africa, die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und die Leipziger Volkszeitung (LVZ). Umfangreich berichteten darüber auch der Guardian Nigeria und der Observer. Unsere Publikationen beeinflussten die derzeit geführte Restitutionsdebatte früh. Über die Recherchen zu den Benin-Bronzen entstand auch ein fesselnder Vortrag (siehe Angebote). Finanziert wurden die Recherchen vom Journalistenverein „Fleiß und Mut“ und der Stiftung Mercator.

"Journalisten der Finsternis"

An den Grenzen medialer Leistungsfähigkeit – Afrika

Stimmen zum Buch

 

Publizistik
“Es ist Lutz Mükke zu verdanken, dass er mit seiner hervorragenden Studie ein umfangreiches und theoretisch fundiertes Werk über Akteure und Strukturen der Berichterstattung über Afrika vorlegt. (…) jenseits des ritualisierten Lamentos über die mangelnde Repräsentation Afrikas (…) ebenso klug wie originell analysiert.”

Süddeutsche Zeitung
“Das Kapitel ‚Grauzonen, Defizitbereiche und Fehlentwicklungen‘ sollten ARD und ZDF so ernst nehmen, dass sie den Text an alle Korrespondenten versenden.”

Deutschlandradio  
“Damit hat er eine wichtige Diskussionsgrundlage geliefert.”

Afrikapost
“Äußerst empfehlenswert für alle, die sich für die Abläufe hinter den Journalismus-Kulissen interessieren!”

Funkkorrespondenz 
“Es ist sehr viel Erhellendes in dem Buch zu finden”


Klicken Sie aufs Buchcover, um mehr zu erfahren.

Der inszenierte Hunger – Karriere einer Kritik an der
Entwicklungshilfeindustrie

Bildschirmfoto 2019-02-21 um 22.57.08

Unter dem Titel „Der inszenierte Hunger“ erschien am 16. April 2003 in DIE ZEIT ein mehrseitiges Dossier über Hunger in Äthiopien. Die Unterzeile der mehrseitigen Reportage lautete „In Äthiopien gibt es Wasser genug – doch die Entwicklungshelfer der UN reden der Welt eine Dürrekatastrophe ein.“ Der von mir aufwendig in Ostafrika, den USA und Europa recherchierte Beitrag enthüllte die Ausmaße der Symbiose von Hilfsindustrie und politischer Elite in Äthiopien und legte haarsträubende strukturelle Korruption offen.

Die Veröffentlichung sorgte für heftige Reaktionen: Das UN-Welternährungsprogramm, die Welternähnungsorganisation, äthiopische Diplomaten und Regierung sowie diverse Entwicklungshilfeorganisationen und -helfer reagierten teils mit beleidigenden Statements. Allerdings hielt die Recherche allen Anfeindungen und Prüfungen stand, bekam sogar den Natalie-Lorenzo-Preis für Menschenrechte der EU-Kommission und landete schließlich als Lehrstück im „The Global Investigative Journalism Casebook“ der UNESCO.

Finanziell unterstützt wurde die Recherche durch das erste Stipendium, das die investigative Journalistenorganisation Netzwerk Recherche nach ihrer Gründung vergab.